
»Regio BB« und »Friedrich». Da vergleichen Sie aber einen Apfel mit einer Birne. Nein, tue ich nicht. Beide sind werbefinanzierte Magazine nicht öffentlicher Herausgeber. Beide sind Veranstaltungsmagazine mit kulturellem Schwerpunkt, beide haben einen Terminteil und einen Teil mit thematischen Schwerpunkten. Und beide haben einen regionalen Berlin-Brandenburg-Bezug. Die Subhead des Regio BB Hefts verrät, dass es sich als das Kulturmagazin für die Region Brandenburg-Berlin und darüber hinaus sieht. Friedrich untertitelt einfach »Zeitschrift für Potsdam«.
Inhaltlich? Naja, die Termine werden wohl stimmen. Friedrich bietet im redaktionellen Teil Abwechslungsreiches, teils mit regionalem Bezug, teils auch ohne. Regio BB besteht im Wesentlichen aus Ausflugs- und Veranstaltungshinweisen, gepaart mit den zugehörigen Info-Adressen. Beide Hefte haben leicht unterschiedliche Zielgruppen und durchaus guten Informationswert.
Hinsichtlich Layout und Gestaltungsqualität können Sie jedoch nicht unterschiedlicher sein. Man merkt deutlich, dass unter den Machern des Friedrich tatsachliche »Gestalter« sind, die ihr Métier beherrschen. Dagegen wirkt das Regio BB Heft so, als ob ein Verlag eine Layout-Software entdeckt hätte und damit Monat für Monat nicht mehr mittelmäßig – schlechter! – sein Magazin produziert. Ok, Bildauswahl, Bildausschnitte und Farbigkeit der Bilder sind in der aktuelllen Ausgabe 04/10 noch akzeptabel. Typographie gibt es im Heft nahezu nicht. Man hat sich auf das unspannende Einfließenlassen von Manuskripttext in Textrahmen mit vorbestimmter Position zurückgezogen. Das Ergebnis: Dominanter Text mit – wohl weil die Optimierung von Zeilenabstand und Schriftgrad absolut unbekannte Tätigkeiten sind – unruhigem Grauwert. Schrift zu groß, Zeilenabstand zu gering. Dazu dieses monoton wiederkehrende unspannende Kasten-Layout… Akzeptabel für den glücklichen Leser, der zufällig eine Seite mit größeren Bilden aufgeschlagen hat. Ermüdend für die, die auf einer Seite mit Bildern im Briefmarken-Doppelformat lesen müssen. Gähn!



Schriftwahl: Fette Gill-Sans-Versalien gepaart mit Myriad. Kann man machen, wenngleich die Gill-Gans-Versalien der Myriad ja ziemlich ähnlich sind (genau genommen etwas zu ähnlich). Die Wahl der Schrift ist es nicht, die stört, die »fehlende« Typographie stört! Wir leben im Jahr 2010 (dieses ganze Jahr lang – 12 Ausgaben Regio BB lang), und die aus einer einfachen vertikalen Linie (eben wie das kleine L) bestehende 1 der Gill Sans in der Heftnummer ist nicht nur für typografisch geschulte Augen eine einzige Zumutung. Es gibt sie doch, Schrittschnitte der Gill Sans mit »richtiger« 1. Liebe Regio BB Macher, mit Eurem hingeklatschten »04/10″ macht Ihr mir Typographische Gänsehaut. Nach weiteren handwerklichen Dingen wie Mikrotypographie sehe ich besser gar nicht mehr; ich sag nur »Divis« und »Halbgeviertstich«…



Der Super-Knaller sind dann einige Seiten, auf denen Text brutal über ein – nicht stark genug abgesoftetes – Bild gesetzt wird. Natürlich ist weder der Text ohne eine danach dringend erforderliche Augen-Regeneration zu erkennen noch das Bild. Auch hier die Abwesenheit jeglicher Gestaltungs- und Layoutkompetenz. Sowas geht ja nun gar nicht! Sechs, setzen.


Deutlich bessere Laune verspürt man nach dem Durchblättern ersten Ausgabe (April 2010) der »Zeitschrift Für Potsdam«, Friedrich 04. Großes Format (was ja nicht unbedingt ein Vorteil ist, gibt es doch zahlreiche Gratismagazine in diesem Format in regio BB Gestaltungsqualität), haptisch deutlich angenehmeres Papier trotz FSC-Gütesiegel, das man in der Regio BB vergeblich sucht. Und nach dem Aufschlagen die positive Überraschung. Hier waren Gestalter am Werk, die diese Bezeichnung verdienen. Angenehmes Seitenlayout, leicht, nicht gedrängt und mit frischen Farben passend zur Jahreszeit. Gut Lesbar, angenehm anmutender Schriftsatz durch durchgängigen Einsatz der Schrift »TheSans« – die btw sogar regionalen Bezug zu Potsdam hat, lehrt Ihr Entwerfer Lucas de Groot doch hier an der Hochschule. Dazu als Auszeichnungsschrift und für den Titel die »Bell0« von Underware. Schön gemacht, gute Kombination! Bello ist zudem noch nicht visuell verbraucht und ist eine der fetten Schreibschriften, die nicht in die Retro-Ecke tendieren, und deren Verwendung hier der TheSans das Formale, Statische nimmt, Leichtigkeit und Dynamik ins Magazin bringt. Viele interessant gestaltete Seiten, die viele ansprechende Einzelheiten enthaltenen: von der Seitenzahl bis zu einzelnen Spannung erzeugenden Elementen.
Well done. Euer Magazin-Layout kann sich mit dem großer Zeitschriften messen. Macht weiter so, Friedrich-Macher. Ihr seid die Leuchttürme im schwarzgrau-trüben Regio-BB-Design-Meer.
Liebe Leser/innen, Studierende, Azubis, angehende und gestandene Gestalter: versucht ein Friedrich-Heft zu ergattern, wenn ihr in Potsdam seid, es lohnt sich zumindest visuell. Und falls Ihr ein Regio BB seht; Nehmt’s mit, steh’n viel Termine drin. Macht ›nen Ausflug in die schöne Region. Das entschädigt Euch visuell.
