eEtiquette – Digitales Miteinander







Zahlreiche interessante und spannende Projekte gibt es auf dieser Welt, von denen man erst so nach und  nach erfährt. Eines davon ist mit Sicherheit das eEtiquette-Projekt des Telekom Creation Centers, einer Abteilung der Deutschen Telekom, die sich mit dem Verhalten und den Wünschen der digital Kommunizierenden befasst – natürlich um daraus Ideen für neue Kommunikationsangebote und Geräte zu entwickeln.

Früher gab es ja bekanntlich den Herrn Adolph Freiherr von Knigge, der seine Gedanken über Umgangsformen zu Regeln zusammenfasste, die ein für alle erträgliches Miteinander ermöglichen. Wie sieht dieses nun in Zeiten der digitalen Kommunikation via Handy, Email, Skype, und in Internet Communities aus? Diesen Fragen hat sich das Telekom Creation Center angenommen. Ergebnis sind »101 Leitlinien für die digitale Welt«. Zugegeben, viel Bekanntes und Banales, manchmal Lustiges, jedoch auch für Digital Residents zum Immer-mal-wieder-drüber-Nachdenken geeignet. Auf der eEtiquette-Website kann man ein Buch mit den 101 Regeln bestellen. Gestaltet im Design handgestickter Küchenhandtücher, die in früheren Zeiten mit eingestickten Sprüchen am Küchenarbeitsplatz sinnvolle Lebensregeln transportierten (wie z.B. »Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.«).

Das eEtiquette-Buch im Oktav-Format ist in mehreren Sprachen erhältlich. Die englische Fassung erscheint mir jedoch am prägnantesten. Viele Dinge kommen ja im Englischen sowieso mehr auf den Punkt. Gratis zum Download gibt es ein Poster für’s Büro oder Jugendzimmer, ebenfalls im Retro-Küchenhandtuch-Design.

Viel Spaß beim Lesen und Drüber-Nachdenken…

Zur englischsprachigen Website: www.eetiquette.com
Zur deutschsprachigen Website: www.eetiquette.de


Fußball-WM Info pur – per Web-App auf’s Smartphone

WM Web App

 Einen Termin in der brasilianischen Botschaft. Da sollte man in diesen Zeiten – auch wenn man  nun die Fußball-WM nicht ganz so genau verfolgt – wissen, wie es denn um Brasilien steht, im Fußball natürlich. Wer dann noch genauere Ergebnisse, Torschützen und die bevorstehenden Gegner kennt kann sich mit diesem Wissen vielleicht die eine oder andere Tür öffnen…

Damit wir immer gut über den Spielstand informiert sind, wurden wir ja in den letzten Wochen mit vielen vielen bunt gedruckten Spielplänen zum selbst Ausfüllen geradezu bombardiert. Das freut mich als Printmedien-Gestalter natürlich sehr. Fein, das Ausfüllen – genauso wie das Wetten um das nächste Spiel – macht Spaß. Nur Dabeihaben muss man den Plan natürlich, wenn  man schon in der Bahn auf dem Weg zur brasilianischen Botschaft ist. Ok, es gibt Apps zur WM für iPhone und Smartphone, die kann man ja noch in der Bahn online ordern. Man kann auch ganz ohne Online-Shop gratis mein schlankes, smartphonetaugliches Web App verwenden. Ohne Schnickschnack Information pur, die mit jedem Spiel wieder etwas erweitert wird. Das hab ich mir gestern anstatt Ausfüll-Spielplan zusammengestrickt, damit sich denn hoffentlch die Türen öffnen, sollte ich in den nächsten zwei Wochen in der brasilianischen Botschaft sein. ;-) )

Dieses Web App dürft Ihr natürlich gerne benutzen. Auf iPhone und iPod funktioniert es vorzüglich, und mit Android sollte auch alles richtig angezeigt werden, da es ja kein native App ist, sondern ein WebApp (das ja eigentlich nur aus einer smartphoneoptimierten Website besteht).

Wie’s geht? Im Browser (z.B. safari) wm.f25.cc eingeben und als Lesezeichen auf dem Smartphone-Desktop speichern. Oder mit der Handy einfach den QR Code fotografieren, und schon öffnet sich die App… Damit beim iPhone oder iPod das blaue Icon mit dem Fußball auf dem Bildschirm erscheint, einfach Touch auf »+« und dann auf »Zum Home-Bildschirm«, den Titel eingeben, der unter dem Icon stehen soll, und schon erscheint es auf dem Home-Bildschirm.

TYPErotic – Make Love to your Type

Erotisch. Sicher, aber auch einfach ein »geiles Booklet« – das Heft, das gestern Morgen im Briefkasten lag, herausgegeben vom TDC. Das richtige für alle Typo-Begeisterten, Typo-Süchtigen und Typo-Verliebten. Werden Bestandteile eines Buchstabens andernorts mit dem Charme eines Lernplakates erklärt, illustriert der Designer Roberto de Vicq de Cumptich sie erotisch. Ein »Must Have« für alle, die die Formen der Buchstaben zu schätzen wissen. Leider bisher nur als PDF oder als Online-Blätterbuch zu haben. Als TDC Mitglied gab’s für mich ein gedrucktes Exemplar. Interessant auch die Diskussion dazu auf typophile.com und die Fotos in Stefano Picco’s Blog, die deutlich besser sind, als meine zwei Kunstlicht-iPhone-Fotos.

Löffel, Gabel,… die 33ste

Nicht entgehen lassen: die 33ste Ausgabe von Spoonfork, meinem Lieblings-Flash-Online-Magazin.

www.spoonfork.de

Ganz in weiß…

»Kann man umfärben mit Photoshop, geht ganz leicht!« Geht es auch, hab ich aber nicht. Heute morgen bekam ich tatsächlich diesen Coffee-to-go. Nichts Außergewöhnliches, bis auf den Deckel. Der ist schwarz. Ungewohnt, sind wir doch eigentlich weiße Deckel gewohnt, die uns zumindest Hygiene, Staubfreiheit und Unbenutztheit suggerieren – selbst wenn die Kaffeefrau den Deckel noch einmal richtig mit ihren Scheinegrippe-Fingern direkt über dem Trinkloch fest auf das Papp-Unterteil drückt. Fakt ist natürlich, dass der Deckel in diesem dunklen unbunt wesentlich an Attraktivität verliert. Selbst neu und unberüht büßt er in seiner dunkelsten Unbuntheit quasi seine Jungfräulichkeit ein. Innovation? Ja sicher, für den Deckelhersteller; und für den Kaffeeausschank. Ersterer kann dort jede Menge Recycling-Kunsstoff unterbringen, und zweiter kann auch noch die verstaubten – weil schon lange liegenden oder angegrabbelten – Deckel an den Kunden bringen, die ganz in weiß sicher nicht mehr wären. Wir sollen jetzt also an diese Gothic- oder Grufti-Deckel gewöhnt werden. Ich nicht,  ich gehe jetzt noch ein Mal in dieses Café und spreche die Kaffeefrau darauf an. Mal schauen, was sie dazu sagt. Meinen Kaffedeckel wünsche ich mir nämlich ganz in weiß mit einem verlängerten Espresso oder Latte Macchiato drunter.

Liebe Produktdesigner: Schwarze Kaffeebecher-Deckel sind Mumpitz. Farbkonzept 6, setzen.

Und wo ich gerade so in Kaffee-Fahrt bin, ein Tip an die Textil-Designer unter Euch: Wie wäre es mit formschön geschnittenen schwarzen Arztkitteln aus dunkelgrauolivem Tuch mit kleinteiliger, roter Splash-Bemusterung? Zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen – braucht man doch kaum Reinigung, und manch einer erschrickt sich vielleicht so, dass er weder Behandlung noch Attest braucht. Spontanheilung der Volkswirtschaft also inklusive. Liebe Textil-Designer, nur Mut…?

InDesign-Buch als PDF kostenlos

Cleverprinting – nicht nur durch den kostenlos als PDF verfügbaren Ratgeber »PDF/X und Color Management« bekannt – bietet jetzt ebenfalls ein Buch zu Adobe InDesign kostenlos als PDF an. Ich habe vor längerer Zeit das Buch als Print-Version gekauft und habe es auch einige Male gebraucht (zum Nachschlagen von Einzelheiten). Empfehlenswert. Also: Download starten!

Inwieweit es nun Sinn macht, komplette Bücher zum Download anzubieten und zu demokratisieren, sei mal dahin gestellt. Die Verleger ziehn ein langes Gesicht, Grafiker und Mediengestalter freuen sich. Cleverprinting sei es verziehn. Das Buch ist gut.

Splitter

Am Montag war hier in Berlin ja wieder einmal große Party angesagt. Alle feierten »20 Jahre Mauerfall« und schon in den Tagen davor jagte eine TV-Doku die nächste. Zwei meiner Mediengestalter-Kurse (2-MG-06.11 und 2-MG-07.39) haben sich in diesem Zusammenhang mit Einzelheiten befasst, die für uns alltäglich sind, auf den zweiten Blick betrachtet aber ihre Ursachen in der deutschen Teilung haben, seien das nun zwei verschiedene Ampelmännchen, verschiedene Beschriftungen der Berliner Straßenschilder oder die Existenz doppelt vorhandener Einrichtungen wie Oper und Uni. Ost-West-Splitter also. Ergebnis ist ein interessantes Heft mit unterschiedlichsten Themen und unterschiedlichsten Layouts – jedeR gestaltete eine oder mehrere Doppelseiten – von sehr unterschiedlichen Leuten. Ein schönes Kontrastprogramm zu noch ner Doku und noch nem Erfahrungsbericht. Die Ost-West-Splitter gibt es auch als Online-Version unter splitter.berlinpublisher.com.

Das bearbeitet hier Frau Neumann.
Die hat heute leider einen Brückentag

Frau Neumann und Herr Ostermann

Als Kommunikationsdesigner sorgen wir nicht nur für die visuelle Kommunikation unserer Kunden mit ihren Kunden, sondern wir kommunizieren auch ganz gerne nicht-visuell, also persönlich mit unseren Kunden und mit Interessierten. Ein Teil der Arbeit, den viele Kommunikationsdesigner nicht missen möchten. Wir beantworten auch den 20. Anruf eines Ausbildungsplatz- oder Praktikumssuchenden gedudig inklusive Ratschlag, wo er es denn noch versuchen könnte, und erklären Eltern, warum man bei uns kein Bleistiftspitz-Praktikum für den mittleren Schulabschluss machen kann. Auch das Meinungsforschungsinstitut, dessen Namen ich vergessen habe (und ich mir auch nicht merken muss), das jedoch regelmäßig mit der 0228er-Vorwahl auf meinem Telefon in den unpassendsten Momenten für kommunikative Kontinuität (oder ist es Penetranz?) sorgt, bekommt noch nette Worte: „Oh, das ist jetzt etwas unpassend, ich bin gerade in einer Besprechung“, „…bin gerade mit dem Auto unterwegs und meine Freisprechanlage ist defekt.« Betroffenheit signalisierend verabschiedet sich der Meinungsforscher höflich mit dem einstudierten Schlusssatz, ob er denn wieder anrufen dürfe. Darf er, wieso nicht. Wenn’s ganz zuviel wird, hab’ ich ja noch zwei Trümpfe: Frau Neumann und Herrn Ostermann. Vielleicht bearbeitet Frau Neumann demnächst diese Anfragen – und lässt sich dann auch das Probeheft des Sekretärinnen-Verlages schicken, der sich ebenso mit mäßiger Regelmäßigkeit meldet und jemand, der für mein Sekretariat verantwortlich ist, sprechen möchte.

Während Meinungsforscher und Sekretärinnen-Verlag mit ihren freundlich geschulten Callcenter-Agents ja noch ganz lustig sind, gibt es natürlich auch nervige und nervöse Anrufer und Anruferinnen, die weder zuhören können, dass ihr Auftrag nun »Freitag nachmittag« nächster Woche fertig ist, und die garantiert am Montag, Dienstag, und Donnerstag vorher anrufen; mit der Frage, ob ihr Auftrag denn schon fertig sei, warum das jetzt noch dauere, etc. Und sich dann, um noch eins drauf zu setzen, am Freitag morgen nochmal aufgeregt melden, weil noch etwas geändert werden muss. Ok, kann ich mit leben, ist mein Geld (allerdings ganz schön wenig für den kleinen Nervenstress). Schlimmer kommt’s bei den Alleskönnern, die mal Medienwissenschaften mit dem Schwerpunkt Theater studiert haben und daher die nativen Grafik-, Typo- und Druckexperten sind, weil sie früher die Theaterplakate ihres Kellertheaters im Kartoffeldruck selbst gedruckt haben. Deren Budget-Trifold-Flyer muss dann natürlich im frequenzmodulierten Raster gedruckt werden (sie haben mal gehört, dass das bessere Qualität ist, das Ganze natürlich in 5000er Auflage für maximal 300 Euro, Gestaltung und Druck!). Dafür kann ich eigentlich gerade mal mit denen telefonieren…

Ok, diese Zeit- und Energiediebe gibt es. Und damit sie nicht zu viel wegstehlen, gibt es Frau Neumann und Herrn Ostermann. Virtuelle, nicht real exisitierende Mitarbeiter, nie anwesend und mit breitem Rücken für alles. Vielleicht sogar einem echten Email-Postfach.

…das tut mir jetzt leid, dazu kann ich Ihnen im Moment nichts sagen. Das bearbeitet unsere Frau Neumann,…
…die ist leider im Moment nicht am Platz,
…die hat heute ihren Brückentag,
…die hat heute Urlaub,
…die ist leider zur Zeit krank,
…die ist leider heute mit ihrem Kind zum Arzt,
…, …

…ich denke nicht, dass Frau Neumann da was falsch gemacht hat, aber ich schaue mir das selbst mal genauer an…

Schönen Tach und Tschüss.

Bei nervigen Sachverhalten, die schon länger zurückliegen, geht natürlich auch »…das hat unsere Frau Neumann bearbeitet, leider arbeitet die nicht mehr bei uns. Ich kümmere mich darum, die Angelegenheit rauszusuchen und …zu klären.« Schönen Tach und Tschüss. Aufatmen.

Wir toppen das jetzt noch einwenig und sorgen für Geschlechterausgleich. Weil wir alle wissen, dass „sex sells“ (oder warum gibt’s denn viel mehr Promogirls statt Promoboys?), bekommt Frau Neumann einen netten Kollegen, der zwar auch nie anwesend ist, aber die Angelegenheiten der Anruferinnen bearbeitet, bei denen ziemlich schnell klar wird, dass sie auch bei dem nur virtuellen Auftritt einer anderen Frau schon Zickenalarm auslösen. Warum also diese Anruferinnen künstlich echauffieren? Oder dann doch direkt Frau Neumann auf den Plan treten lassen, damit die Anruferin sich in Frau Neumann verbeißt,… und wir den Part übernehmen, sie grinsend am Telefon zu beschwichtigen.

Alles unehrlich und Fake? Ja klar! Aber arbeitserleichternd. Frau Neumann und Herr Ostermann sind ja nur für ganz spezielle Anfragen und für ganz spezielle Anrufer/innen zuständig, deren Kommunikationsverhalten reale Gesprächspartner doch übermäßig verschleißt. Außerdem: Muss alles ausdiskutiert werden, müssen Beratungsresistente unbedingt beraten werden, müssen Besserwisser und Unbelehrbare belehrt werden, müssen Leute, die sowieso nicht zuhören können, etwas erklärt bekommen? Ja, von Psychologen, Coachs, Sozialarbeitern. Aber nicht von mir. Ist mir zu stressig, stiehlt mit die Zeit, raubt mit die kreative Energie… Dann lass ich doch lieber Frau Neumann oder Herrn Ostermann auf den Plan treten.

Die heimlichen Personalpolitiker – Informatiker

Ok, ich bin ein visueller Mensch, wie alle Gestalter etwas zickig und eitel. Das gebe ich zu, und deshalb möge der IT-verliebte Leser mir diesen Beitrag verzeihen.

Anfang dieser Woche nahm ich an einer Besprechung teil, wo es um Benutzerprofile und Rechteverwaltung in einem Serversystem ging. Vorgestern Abend wollte man mir dann im Rahmen einer Präsentation ein Content-Management- und Redaktions-System nahebringen; mit dem saaaagenhaften Vorteil, dass genau mit diesem System zahlreiche unterschiedliche Benutzer, sogenannte Redakteure, Textverfasser oder wie auch immer, am Inhalt – neudeutsch Content – einer Website arbeiten können. Und da der Vorstand, Geschäftsführer, Bereichsleiter ja schließlich alle Bestandteile des Internetangebots seiner Firma ändern dürfen soll und die Putzfrau nur den Punkt (… äh, nein, die nicht Mal den, der Sachbearbeiter soll nur den Punkt ändern dürfen), hat dieses Content Management System eine ausgeklügelte Rechteverwaltung. Rechteverwaltung? Fängt mir R an wie Reizwort, das es inzwischen für mich ist. Braucht man die wirklich, oder ist es lediglich ein Machtinstrument? Ist der Sachbearbeiter wirklich sooo dooof, dass er wichtige Inhalte der Firmen-Website oder wichtige Firmendaten auf dem Server löschen könnte und würde? Ist er sooo untreu, dass ihm Daten außerhalb seines Tellerrandes bewusst vorenthalten werden müssen, weil die „ihn ja nichts angehen“. Doch, vielleicht interessieren diese Daten ihn einfach – ihn als Bestandteil des Teams Firma und ihn als Bestandteil der Wertschöpfungskette. Geht’s der Firma so schlecht, dass ihm diese Daten – mit denen er in 98% der Fälle eh nichts anfangen kann – bewusst vorenthalten werden müssen? Natürlich ist der nicht sooo dooof. Das ganze ist ein reines Machtspiel. Und zwar derer, die sowieso schon die Macht haben, quasi zur Untermauerung ihrer Autorität, die sie persönlich oft nicht haben.

Warum soll denn ein Koordinator – ich benutze dieses Wort hier für die zahlreichen »–leiter« und »Führungskräfte« verschiedener Hierarchesstufen – denn mehr Zugriffsrechte haben als ein Mitarbeiter, der mit dem Computersystem tagtäglich arbeitet. Na klar, weil der Koordinator sich wichtig macht, seine Wichtigkeit herausstellen will und dem Mitarbeiter täglich gezeigt werden muss, wie klein und doof er denn eigentlich ist, solange bis der es wohlmöglich selber glaubt. Mit System, in diesem Fall mit dem Computersystem, reduziert man ihn auf seinen unmittelbaren Bestandteil der Wertschöpfungskette in dieser Firma und verbietet ihm jeglichen Blick über den Tellerrand, und dazu z.B. Emails mit Anhang über 10 MB zu schicken, etc. Ok, der könnte sabotieren, wenn er Vollzugriff auf den Firmenserver hätte… Kann er auch mit seiner Computer-Beschränkung. Wer sabotieren will, findet schon seinen effizienten Weg.

Und Ihr, Ihr Informatiker, Ihr wirkt perfekt mit an diesen Machtspielen. Ich habe den Verdacht, Ihr genießt das sogar. Seid Ihr doch oft die einzigen, die Eure Systeme wirklich durchschauen, und bei denen auch der Chef „bitte bitte“ sagen muss, …wenn’s mal wieder stockt. Und natürlich müssen alle Mitarbeiter gut Freund mit Euch spielen, weil Ihr ja die Schaltstelle seid, die entscheidet, wessen Computerproblem zuerst angegangen wird,… und, wenn man Euch ganz oft einlädt, Euch den hausgemachten Most mitbringt, oder Euren Kindern Nachhilfe in Sprachen gibt, auch mal ein Admin-Passwort oder so was ähnliches liegen lasst. Damit man nicht immer klein klein zum Chef oder zu sonst welchem »–leiter von irgendwas« auch immer gehen muss, und bitte bitte sagen, sondern endlich aufatmen kann und endlich effizient arbeiten kann. Mails über 10 MB schicken kann, alle Email-Anhänge empfangen kann, den Farbdrucker benutzen kann, die Internetseiten in einem Rutsch komplett aktualisieren kann, ohne irgendeinen Bereich, wo man wieder mal keinen Zugriff drauf hat, etc. etc… All diese Probleme habt Ihr Informatiker ja während Eurer operativen Arbeit nicht. Kennt sie kaum bis gar nicht. Und stützt mit der von Euch erfundenen Benutzerprofile und Rechteverwaltung die innerbetrieblichen Hierarchien vorzüglichst. Kurz: Ihr seid die heimlichen Personalpolitiker.

Noch schlimmer, wenn Ihr als externe Berater – Consultants heißt Ihr dann ja – auflauft und Firmen komplette, komplexe Rechtesysteme überhelft, die Ihr mit Geschäftsführung, Vorstand, Führungskräften ausgeheckt habt. Für den Rest der Belegschaft ist dann auch mit Most und Nachhilfe nur selten ein effizienter Arbeitsalltag möglich.
Ach, Ihr Informatiker mit Eurer Rechteverwaltung. Irgendwie mag ich Euch ja, Ihr seid meist sehr nette Menschen, gute Nachbarn, hilfsbereit bis auf die Knochen. Bloß alles, was man mit zusammengeschalteten Computern machen kann, und worüber Ihr Euch unbekümmert freuen könnt, dass es funktioniert, trägt nicht zur Verbesserung unserer Welt bei, oft im Gegenteil. Eure Computer-Rechteverwaltung wird zum betrieblichen Personalinstrument. Manches Eurer Systeme wird zum Zeitdieb des 21. Jahrhunderts, und zum Lebenszeitdieb dessen, der davor sitzt. Und manchmal zum Arbeitsärgernis. Wollt Ihr das mit Euren Benutzerprofilen und Rechteverwaltungen eigentlich wirklich?

Benutzerprofil? Rechteverwaltung? Überflüssig wie ein Kropf!

Bildschirm-Arbeiter aller Länder vereinigt Euch! Euch gehören die Admin-Rechte!!!

Sage mir, wie Dein WLAN heißt…

… und ich sage Dir, wer du bist.

Gerade sitze ich wieder einmal in einer meiner Kreativzonen, der Kaffee- und Weinbar unweit von meinem Büro, sozusagen mein Stammcafé. Hier ist schon so manche Idee entstanden. Dieses Lokal ist so gelegen, dass ich dort das (eher wenig peformante) WLAN des Cafés nutzen kann, aber auch noch mein eigenes WLAN dort empfangen kann (in der Entfernung dann ebenso wenig performant). Da beide Netze hier gleich schwach sind, reißt die Verbindung öfter ab und ich muss zwischen Café-Netz und eigenem Büronetz hin- und herswitchen, je nachdem welches gerade besser zu empfangen ist.

Bei dieser Gelegenheit wird ja immer angezeigt, welche WLANs sich gerade in Sendebereitschaft befinden. Diese Auswahlliste ist lang, da die Grenze zwischen Prenzlberg und Mitte ein hoch verdichtetes WLAN-Areal ist, und es erscheinen zwischen anonym nichtssagenden Bezeichnungen wie »WLAN-4321-5678-9786-3210″ oder einfach »O2DSL« Namen wie »Schnulli« (gleich an erster Stelle), »Rakete«, »NoName24″ oder »Subject«. Letztere Netznamen mit gleicher Aussagekraft, aber zumindest größerem Unterhaltungswert.

Bitte, wer nennt sein WLAN »Schnulli« oder »NoName24″? Ok, »Schnulli ist mal wieder abgestürzt« durch die Agentur oder WG gerufen, ist ja ganz lustig. Vermutlich nette, nicht so lebensschwere Besitzer. Rakete, NoName24 oder Subject lassen eher Hang zu pseudo-originellen und trotzdem anonymen Namen vermuten. Warum aber »NoName24″ und nicht »NoName259″? die Endung 24 steht doch weithin für »24 Stunden«. Was für die Funktion dieses WLAN sicher auch zutreffen mag, und diesem Netz ein minimales Gesicht gibt. Legt der Besitzer allgemein also auf 24 Stunden Erreichbarkeit Wert? Ist er zu faul, es auszuschalten und lässt es dauernd eingeschaltet? Braucht er es gar als Workoholic 24 Stunden? Oder – ganz falsch spekuliert – befindet sich das Netz in der Hausnummer 24? Die gibt es hier tatsächlich. Spekulationen. Aber etwas davon ist immer richtig!

»Schnulli«? Das Wort kennen wir alle, aber wer gebraucht es aktiv? Ich nicht. Ist das so ein Berliner Begriff, launig in so Phrasen wie »Ist mir jetzt auch Schnulli!« verwendet? Kenne zumindest nur eine Person, die dieses Wort aktiv gebraucht, meist in dem zitierten Satz. Wer sein WLAN Schnulli nennt, der müsste doch zumindest dieses Wort aktiv gebrauchen?

Hat der Besitzer von »Rakete« noch ein zweites WLAN oder ein anderes Netz, das vielleicht älter, langsamer ist. Heißt dieses dann »Schnecke«? Ihr seht, welche netten Vermutungen man anstellen kann. Natürlich sagt es ziemlich viel über jemanden aus, wie er sein WLAN benennt. Schnulli-lustig, Raketen-, Subject-, NoName24-mäßig, oder wie Famile Klein – die es in tatsächlich gibt, sie wohnt im Nebenhaus – deren WLAN nach dem selbstbewußten Motto »Wir haben nichts zu verbergen« wirklich unter dem Namen »Familie Klein« in der Auswahlliste erscheint. Daneben gibt es dann noch die WLANs, deren Besitzer irgendwelche Voreinstellungen vom Provider übernommen haben und den Netznamen gar nicht eingestellt oder geändert haben. Schlichtweg egal für sie, soll ja funktionieren, und in die Verlegenheit, ihr Netz aus der Auswahlliste aus mehreren ähnlich kryptisch benannten raussuchen zu müssen, kommen sie auch nicht. Wieso, der Laptop steht ja immer an der gleichen Stelle und hat seine einmal eingestellte bevorzugte Verbindung.

Mein WLAN? Verrate ich nicht. Sucht einfach,ob ihr Schnulli und Rakete findet, dann ist meins auch in der Auswahlliste. Spekuliert euch etwas zusammen, welches es ist…

Ach ja, mindestens genauso interessant: »Wie heißt Euer Rechner? Sagt mir Euren Computer-/Benutzer-Namen, und ich sage Euch, wer ihr seid!« (von Eurem Privatcomputer natürlich, unspektakulär durchnummerierte Firmencomputer lassen wir mal außen vor). Meine Computer? Verrate ich auch nicht, zumindest nicht die Grafikstationen. Die Notebooks heißen »NN«, und »Brain’s girl« (letzteres ein schicker, inzwischen betagter Tablet-PC, »Brain« war der Vorgänger von »NN« und starb den Notebook-Überhitzungs-Tod). So, jetzt wisst Ihr mindestens, dass ich nicht zur Klarnamenfraktion gehöre, die ihren Computer mit vollem Vor- und Zunamen benennt.

Also, wie heißt Euer Computer? Ok. Vielleicht ist Euch dieses Thema auch echt Schnulli.