Fußball-WM Info pur – per Web-App auf’s Smartphone

WM Web App

 Einen Termin in der brasilianischen Botschaft. Da sollte man in diesen Zeiten – auch wenn man  nun die Fußball-WM nicht ganz so genau verfolgt – wissen, wie es denn um Brasilien steht, im Fußball natürlich. Wer dann noch genauere Ergebnisse, Torschützen und die bevorstehenden Gegner kennt kann sich mit diesem Wissen vielleicht die eine oder andere Tür öffnen…

Damit wir immer gut über den Spielstand informiert sind, wurden wir ja in den letzten Wochen mit vielen vielen bunt gedruckten Spielplänen zum selbst Ausfüllen geradezu bombardiert. Das freut mich als Printmedien-Gestalter natürlich sehr. Fein, das Ausfüllen – genauso wie das Wetten um das nächste Spiel – macht Spaß. Nur Dabeihaben muss man den Plan natürlich, wenn  man schon in der Bahn auf dem Weg zur brasilianischen Botschaft ist. Ok, es gibt Apps zur WM für iPhone und Smartphone, die kann man ja noch in der Bahn online ordern. Man kann auch ganz ohne Online-Shop gratis mein schlankes, smartphonetaugliches Web App verwenden. Ohne Schnickschnack Information pur, die mit jedem Spiel wieder etwas erweitert wird. Das hab ich mir gestern anstatt Ausfüll-Spielplan zusammengestrickt, damit sich denn hoffentlch die Türen öffnen, sollte ich in den nächsten zwei Wochen in der brasilianischen Botschaft sein. ;-) )

Dieses Web App dürft Ihr natürlich gerne benutzen. Auf iPhone und iPod funktioniert es vorzüglich, und mit Android sollte auch alles richtig angezeigt werden, da es ja kein native App ist, sondern ein WebApp (das ja eigentlich nur aus einer smartphoneoptimierten Website besteht).

Wie’s geht? Im Browser (z.B. safari) wm.f25.cc eingeben und als Lesezeichen auf dem Smartphone-Desktop speichern. Oder mit der Handy einfach den QR Code fotografieren, und schon öffnet sich die App… Damit beim iPhone oder iPod das blaue Icon mit dem Fußball auf dem Bildschirm erscheint, einfach Touch auf »+« und dann auf »Zum Home-Bildschirm«, den Titel eingeben, der unter dem Icon stehen soll, und schon erscheint es auf dem Home-Bildschirm.

Zwei Gratismagazine im Vergleich: Hop und Top

»Regio BB« und »Friedrich». Da vergleichen Sie aber einen Apfel mit einer Birne. Nein, tue ich nicht. Beide sind werbefinanzierte Magazine nicht öffentlicher Herausgeber. Beide sind Veranstaltungsmagazine mit kulturellem Schwerpunkt, beide haben einen Terminteil und einen Teil mit thematischen Schwerpunkten. Und beide haben einen regionalen Berlin-Brandenburg-Bezug. Die Subhead des Regio BB Hefts verrät, dass es sich als das Kulturmagazin für die Region Brandenburg-Berlin und darüber hinaus sieht. Friedrich untertitelt einfach »Zeitschrift für Potsdam«.

Inhaltlich? Naja, die Termine werden wohl stimmen. Friedrich bietet im redaktionellen Teil Abwechslungsreiches, teils mit regionalem Bezug, teils auch ohne. Regio BB besteht im Wesentlichen aus Ausflugs- und Veranstaltungshinweisen, gepaart mit den zugehörigen Info-Adressen. Beide Hefte haben leicht unterschiedliche Zielgruppen und durchaus guten Informationswert.

Hinsichtlich Layout und Gestaltungsqualität können Sie jedoch nicht unterschiedlicher sein. Man merkt deutlich, dass unter den Machern des Friedrich tatsachliche »Gestalter« sind, die ihr Métier beherrschen. Dagegen wirkt das Regio BB Heft so, als ob ein Verlag eine Layout-Software entdeckt hätte und damit Monat für Monat nicht mehr mittelmäßig – schlechter! – sein Magazin produziert. Ok, Bildauswahl, Bildausschnitte und Farbigkeit der Bilder sind in der aktuelllen Ausgabe 04/10 noch akzeptabel. Typographie gibt es im Heft nahezu nicht. Man hat sich auf das unspannende Einfließenlassen von Manuskripttext in Textrahmen mit vorbestimmter Position zurückgezogen. Das Ergebnis: Dominanter Text mit – wohl weil die Optimierung von Zeilenabstand und Schriftgrad absolut unbekannte Tätigkeiten sind – unruhigem Grauwert. Schrift zu groß, Zeilenabstand zu gering. Dazu dieses monoton wiederkehrende unspannende Kasten-Layout…  Akzeptabel für den glücklichen Leser, der zufällig eine Seite mit größeren Bilden aufgeschlagen hat. Ermüdend für die, die auf einer Seite mit Bildern im Briefmarken-Doppelformat lesen müssen. Gähn!

Schriftwahl: Fette Gill-Sans-Versalien gepaart mit Myriad. Kann man machen, wenngleich die Gill-Gans-Versalien der Myriad ja ziemlich ähnlich sind (genau genommen etwas zu ähnlich). Die Wahl der Schrift ist es nicht, die stört, die »fehlende« Typographie stört! Wir leben im Jahr 2010 (dieses ganze Jahr lang – 12 Ausgaben Regio BB lang), und die aus einer einfachen vertikalen Linie (eben wie das kleine L) bestehende 1 der Gill Sans in der Heftnummer ist nicht nur für typografisch geschulte Augen eine einzige Zumutung. Es gibt sie doch, Schrittschnitte der Gill Sans mit »richtiger« 1. Liebe Regio BB Macher, mit Eurem hingeklatschten »04/10″ macht Ihr mir Typographische Gänsehaut. Nach weiteren handwerklichen Dingen wie Mikrotypographie sehe ich besser gar nicht mehr; ich sag nur »Divis« und »Halbgeviertstich«…

Der Super-Knaller sind dann einige Seiten, auf denen Text brutal über ein – nicht stark genug abgesoftetes – Bild gesetzt wird. Natürlich ist weder der Text ohne eine danach dringend erforderliche Augen-Regeneration zu erkennen noch das Bild. Auch hier die Abwesenheit jeglicher Gestaltungs- und Layoutkompetenz. Sowas geht ja nun gar nicht! Sechs, setzen.

Deutlich bessere Laune verspürt man nach dem Durchblättern ersten Ausgabe (April 2010) der »Zeitschrift Für Potsdam«, Friedrich 04.  Großes Format (was ja nicht unbedingt ein Vorteil ist, gibt es doch zahlreiche Gratismagazine in diesem Format in regio BB Gestaltungsqualität), haptisch deutlich angenehmeres Papier trotz FSC-Gütesiegel, das man in der Regio BB vergeblich sucht. Und nach dem Aufschlagen die positive Überraschung. Hier waren Gestalter am Werk, die diese Bezeichnung verdienen. Angenehmes Seitenlayout, leicht, nicht gedrängt und mit frischen Farben passend zur Jahreszeit. Gut Lesbar, angenehm anmutender Schriftsatz durch durchgängigen Einsatz der Schrift »TheSans« – die btw sogar regionalen Bezug zu Potsdam hat, lehrt Ihr Entwerfer Lucas de Groot doch hier an der Hochschule. Dazu als Auszeichnungsschrift und für den Titel die »Bell0« von Underware. Schön gemacht, gute Kombination! Bello ist zudem noch nicht visuell verbraucht und ist eine der fetten Schreibschriften, die nicht in die Retro-Ecke tendieren, und deren Verwendung hier der TheSans das Formale, Statische nimmt, Leichtigkeit und Dynamik ins Magazin bringt. Viele interessant gestaltete Seiten, die viele ansprechende Einzelheiten enthaltenen: von der Seitenzahl bis zu einzelnen Spannung erzeugenden Elementen.

Well done. Euer Magazin-Layout kann sich mit dem großer Zeitschriften messen. Macht weiter so, Friedrich-Macher. Ihr seid die Leuchttürme im schwarzgrau-trüben Regio-BB-Design-Meer.

Liebe Leser/innen, Studierende, Azubis, angehende und gestandene Gestalter: versucht ein Friedrich-Heft  zu ergattern, wenn ihr in Potsdam seid, es lohnt sich zumindest visuell. Und falls Ihr ein Regio BB seht; Nehmt’s mit, steh’n viel Termine drin. Macht ›nen Ausflug in die schöne Region. Das entschädigt Euch visuell.

TYPErotic – Make Love to your Type

Erotisch. Sicher, aber auch einfach ein »geiles Booklet« – das Heft, das gestern Morgen im Briefkasten lag, herausgegeben vom TDC. Das richtige für alle Typo-Begeisterten, Typo-Süchtigen und Typo-Verliebten. Werden Bestandteile eines Buchstabens andernorts mit dem Charme eines Lernplakates erklärt, illustriert der Designer Roberto de Vicq de Cumptich sie erotisch. Ein »Must Have« für alle, die die Formen der Buchstaben zu schätzen wissen. Leider bisher nur als PDF oder als Online-Blätterbuch zu haben. Als TDC Mitglied gab’s für mich ein gedrucktes Exemplar. Interessant auch die Diskussion dazu auf typophile.com und die Fotos in Stefano Picco’s Blog, die deutlich besser sind, als meine zwei Kunstlicht-iPhone-Fotos.

atürlich rohe Ostern

Scriptina, diese Designer hast Du nicht verdienst. Ein neuer Einsatz für die Typolizei. Gesehen habe ich es sogar auf einem 18/1 Plakat. Hatten wir das nicht schon mal. Scriptina-Initiale in einer Headline notdürftig gepaart mit serifenloser Grotesk. Richtig, die Blattwerker habens vorgemacht (klick hier), Galeria Kaufhof macht’s nach. Mit deutlicher Tendenz zur Verschlimmerung. Noch ein Beweis dafür, dass Schreibschrift-Initiale nur selten mit einer Groteskschrift à la Helvetica zum Dreamteam werden. Mit bestimmten Schreibschriften mag das gehen, mit Scriptina geht’s selten, fast nie. Da passen die Strichstärken einfach nicht. Initiale sind in der Galeria-Kaufhof-Headline viel zu wenig dominant. Das mag gerade noch bei der Gestaltung von Zeitschriften und Magazinseiten funktionieren, für Überschriften sicher nicht. Die Frage ist natürlich, warum gerade der Freefont Scriptina, den es nur in einer einzigen Strichstärke gibt? Konsequente Fontschau hätte sicher ein besseres Ergebnis gebracht. Schließlich gibt es ja zahlreiche Schreibschriften, die Schriftschnitte in unterschiedlichen Strichstärken haben und zudem noch viele Alternativglyphen für die Großbuchstaben. Über die Gründe dieser misslichen Schriftkombination kann man nur spekulieren: altbackenes, starr festgelegtes Coroporate Design; dazu Gestalter, die kaum Kenntnis des breiten Schriftangebots haben, denen bei Schreibschrift nur Scriptina und Zapfino einfällt… kost ja auch nix, zumindest Scriptina nicht.

Liebe »Galeria-Kaufhof-Designbeauftragte« (…sorry, Eure Gestaltung rechtfertigt diese Wortkonstruktion), warum nehmt Ihr einen Freefont, den es gerade mal in einer einzigen Strichstärke gibt und bastelt daraus für Headlines Initiale? Seid Ihr so von der Finanzkrise gebeutetlt, dass Ihr euch nix besseres leisten könnt? Fragt doch einfach mal bei dem Schrifthaus in der Berliner Bergmannstraße, ob die eine Schrift mit passenden Versalien für Eure Hausschrift haben. Haben die ganz bestimmt, die zeichnen Euch sogar eine Schrift mit passenden Initialen zu Eurer – ja eigentlich auch schon gut in die Jahre gekommenen – Hausschrift. Oder Ihr kommt zu mir ins Grafische Kontor. Ich hab bestimmt eine Idee für Eure Überschriften, so dass sie typographisch gleich zwei Ligen höher spielen. Mit Eurem jetzigen Ergebnis würdet Ihr bei mir keinen Mediengestalter-Abschluss bekommen und haushoch durchrasseln.

Nett wie die Typolizei ist, meldet sie Euer generell nach letztem Jahrtausend anmutendes Corporate Design – oh Gott, dieses »verkaufsfördernde« Grün – der SoKo Gestaltung nicht. Eure hier als Screenschot abgebildete Startseite der Galeria-Website spricht für sich: visuell überfrachtet. Und den Vogel schießt Ihr natürlich mit „Sternchen e“ ab. Mag sein, dass irgendwelche Online-Shops unbedingt das Sternchen als Zusatz bei Preisangaben brauchen – sicher unnötig bis zweifelhaft ist, aber sei’s drum. »Sternchen e« und »Sternchen f« sind ganz keine akzeptable, websitegerechte Präsentation von Informationen. Vor allem nicht, wenn wir dafür noch scrollen müssen, um endlich zu erfahren, was »Sternchen e« und »Sternchen f« bedeuten. Galeria Kaufhof, Ihr seid doch keine Currywurstbude, die mit zig konservierungsstoffbehafteten und fußnotenerfordernden Fertitgprodukten handelt, oder doch? Typographisch könnt Ihr Euch zumindest gut in die gestaltungsabstinenten Speisekarten und Werbemittel der Vorstadt-Currywurst- und Dönerbuden einreihen. Die Typolizei erhofft Besserung…

Hier zur Website der Galeria Kaufhof.

Die Bilder zu diesem Text sind Screenshots der Galeria-Website vom 21. März 2010. Die Startseite dieser Website wechselt offensichtlich täglich.

Löffel, Gabel,… die 33ste

Nicht entgehen lassen: die 33ste Ausgabe von Spoonfork, meinem Lieblings-Flash-Online-Magazin.

www.spoonfork.de

Ganz in weiß…

»Kann man umfärben mit Photoshop, geht ganz leicht!« Geht es auch, hab ich aber nicht. Heute morgen bekam ich tatsächlich diesen Coffee-to-go. Nichts Außergewöhnliches, bis auf den Deckel. Der ist schwarz. Ungewohnt, sind wir doch eigentlich weiße Deckel gewohnt, die uns zumindest Hygiene, Staubfreiheit und Unbenutztheit suggerieren – selbst wenn die Kaffeefrau den Deckel noch einmal richtig mit ihren Scheinegrippe-Fingern direkt über dem Trinkloch fest auf das Papp-Unterteil drückt. Fakt ist natürlich, dass der Deckel in diesem dunklen unbunt wesentlich an Attraktivität verliert. Selbst neu und unberüht büßt er in seiner dunkelsten Unbuntheit quasi seine Jungfräulichkeit ein. Innovation? Ja sicher, für den Deckelhersteller; und für den Kaffeeausschank. Ersterer kann dort jede Menge Recycling-Kunsstoff unterbringen, und zweiter kann auch noch die verstaubten – weil schon lange liegenden oder angegrabbelten – Deckel an den Kunden bringen, die ganz in weiß sicher nicht mehr wären. Wir sollen jetzt also an diese Gothic- oder Grufti-Deckel gewöhnt werden. Ich nicht,  ich gehe jetzt noch ein Mal in dieses Café und spreche die Kaffeefrau darauf an. Mal schauen, was sie dazu sagt. Meinen Kaffedeckel wünsche ich mir nämlich ganz in weiß mit einem verlängerten Espresso oder Latte Macchiato drunter.

Liebe Produktdesigner: Schwarze Kaffeebecher-Deckel sind Mumpitz. Farbkonzept 6, setzen.

Und wo ich gerade so in Kaffee-Fahrt bin, ein Tip an die Textil-Designer unter Euch: Wie wäre es mit formschön geschnittenen schwarzen Arztkitteln aus dunkelgrauolivem Tuch mit kleinteiliger, roter Splash-Bemusterung? Zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen – braucht man doch kaum Reinigung, und manch einer erschrickt sich vielleicht so, dass er weder Behandlung noch Attest braucht. Spontanheilung der Volkswirtschaft also inklusive. Liebe Textil-Designer, nur Mut…?

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