Na ja, wer’s braucht… Während sich F25 Executive so langsam zum Dauerbrenner entwickelt und demnächst auch auf einem Anhänger zu Converse Jeans zu finden ist, besteht das neueste F25 Font Release zwar ebenfalls aus einem Typewriter Font, jetzt allerdings aus dicktengleichen Schwabacher Fraktur-Lettern einer Vorkriegs-Schreibmaschine. F25 Blackletter Typewriter heißt der neue Font und steht seit einigen Wochen auf der F25 Seite zum Download bereit und seit gestern auch bei dafont.com. Frei zum Privatgebrauch, für kommerzielle Zwecke muss eine Lizenz gekauft werden.
Für viele der Typewriter-Fonts und anderen Schriften, die noch als unveröffentlichte Entwürfe auf meinem Computer schlummern habe ich ganz konkrete Anwendungsfälle im Kopf. Bei F25 Blackletter Typewriter hingegen fällt es mir schwer, konkrete Anwendungsmöglichkeiten zur nennen, wo diese Schrift wirklich passt. Vielleicht für Film-Dokumente der Zwischenkriegszeit, oder für den Dilettanten, der demnächst damit die xy-Tagebücher schreibt und damit die Journaille narrt. Wie war das noch mit A.H. und F.H.?

Mein Ziel war mit dem Font war eher, diese eigenartige, leicht verirrte Schreibmaschinenoptik aus den Hinterzimmern der Büromaschinen-Sammler herauszuholen und in die digitale Zeit der Nullen und Einsen herüberzuretten. Vielleicht für einen ganz unorthodoxen Partyflyer oder für…

Fraktur als Schreibmaschinenschrift ? Sicher eine der wenig zusammen passenden Kombinationen dieser Welt. Eignet sich die Fraktur an sich mit ihren sehr unterschiedlichen Dickten doch nun so gar nicht für einen monospaced Font: Man betrachte nur die schmalen und langen Minuskeln “s” und “f” im Verhältnis zu den recht opulenten, ausladenden Versalbuchstaben.

Zumindest wurden diese brutal dicktengleich zugerichteten Lettern genauso von bestimmten Schreibmaschinen der Zwischenkriegszeit auf’s Papier gebracht. Diese Typenschreiber waren schon damals eher selten anzutreffen – und da Fraktur allgemein nach Weltkrieg und Tausendjährigem Reich sowieso nicht mehr angesagt war, gibt es heute kaum noch Schreibmaschinen mit dieser Schriftart. Mag sein, dass einige dieser Maschinen auch die runenartigen Symbole der Nazis auf’s Papier bringen konnten, weswegen sie dann ganz schnell entsorgt wurden. Ich kann da nur mutmaßen, das war vor meiner Zeit…


Hier noch etwas zur Fraktur:

  • Die Fraktur ist die Schrift „Gutenbergs“. Wer das Lesegefühl der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel braucht, schaut sich intensiv die Textur einer Plastiktüte von Hugendubel an.
  • Faktur ist schwerer erfassbar als Antiqua. Das hat weniger mit unseren Sehgewohnheiten zu tun als mit den zum Teil recht komplizierten Buchstabenformen. Fraktur ist daher ungeeignet für Texte/Wörter, die schnell erfasst werden müssen (z.B. Straßenschilder)
  • Frakturschritten waren im deutschen Sprachraum vor dem 1. Weltkrieg die üblichen Schriften für Mengentext.
  • In der Zwischenkriegszeit (vom 1. bis 2. Weltkrieg, 20er Jahre) wurde die Fraktur gerne von nationalen Kreisen als “deutsche Schrift” verwendet. Und es war “die” Schrift der ersten 8 Jahre des Tausendjährigen Reichs (das dann doch nur bis ins Jahr 4 seines eigenen Fraktur-Verbots existierte). Das kann man z.B. durch Analyse von zeitgenössischen Drucksachen belegen.
  • 1941 wurde die Fraktur von den Nationalsozialisten verboten (als “Schwabacher Judenlettern” bezeichnet, wie so vieles dieser Leute nicht nachvollziehbar).
  • Spießige Gemütlichkeit für Biertrinker (die Antiqua den Weintrinkern). Was wäre die gutbürgerliche Gaststätte ohne Fraktur? Sie mit ihren Bewohnern ein Ort, der dann zu vermutlich zu außengerichtet und zu offen für die Moderne wäre. Und da die meisten unter 70 jährigen – also die Mehrzahl der Bevölkerung – diese Schrift sowieso nur noch in Ansätzen lesen kann schreibt der Schildermacher (sei er nun Mediengestalter, Schauwerbegestalter oder einfach Schriftbanause) das Wort “Gaststätte” selbstverständlich wie von Corel Draw vorgegeben im mäßigen Walbaum-Fraktur-Derivat mit “rundem s”. Die runden Formen der Walbaum-Fraktur korrespondieren übrigens hervorragend mit den gutbürgerlichen Körperformen der Insassen dieser Geselligkeits-Etablissements.
  • Hartnäckig hält sie sich auch in Zeitungstiteln, und dort passt sie in 2009 auch noch gut hin. Frankfurter Allgemeine, Neue Zürcher Zeitung und daneben natürlich viele Regional- und Provinzblätter. Hamburger Abendblatt, Hannoversche Allgemeine etc. Was wären sie ohne ihre in Fraktur gesetzten Titel, die ja eher Wortmarken sind. Für Mengentext und Überschriften wird inzwischen nur noch Antiqua eingesetzt.
  • Gern verwendet wird eine bestimmte Art der Fraktur – oft als gotische Schrift oder auch “Old English” bezeichnet – im angelsächsischen Sprachraum für Urkunden, Wortmarken, Zeitungen, etc. So zum Beispiel in den zahlreichen English und Irish Pubs zu finden. Diese Schriften haben allerdings wenig gemeinsam mit den runden Formen der gemeinen Kneipen-Deutschen-Walbaum-Fraktur und auch wenig gemeinsam mit den Frakturschriften der Zwischenkriegszeit.
  • Von der letzgenannten Fraktur Art gab es sogar eine dicktengeleich (monospaced) zugerichtete als Kugelkopf für die bekannten IBM Selectric Schreibmaschinen (Schriftart “Olde English”, siehe hier).

Und noch mehr zur Fraktur hier:

…und für alle, die Schriftmuster, Schriftmuster, Schriftmuster, und …ja, was? Noch mal Schriftmuster suchen: